Mexiko - Reisebericht

Heute möchte ich von der Reise mit meiner Frau nach Mexiko berichten. Wie schon bei Französisch-Polynesien ist die gewählte Form wieder ein Excerpt meiner Gedanken, wie ich sie während der Reise hatte: ursprünglich veröffentlicht im privaten Familienblog, nur minimal für den Lesefluss redigiert und um die für euch wahrscheinlich eher langweiligen Aktivitätsbeschreibungen gekürzt.
Die Eckdaten:
- 14.07.2026: HAM → CDG → MEX
- 14.-16.07.2026: Mexico City (CDMX)
- 16.-19.07.2026: San José del Pacífico
- 19.-21.07.2026: Oaxaca City
- 21.-25.07.2026: Tulum
- 25.-29.07.2026: Club Med Cancún
- 29.-30.07.2026: Rückflug CUN → YYZ → AMS → HAM
Reise ¶
In Mexico City angekommen, mussten wir erst mal unsere Koffer öffnen. Ich habe das gar nicht gecheckt und dachte, es geht um Sprengstoff. Als sich die Kontrolleurin etwas fragend die Drohne angeschaut hat, habe ich ihr erklärt, was das ist. Sie wollte wissen, was die Drohne kostet. Ich habe sie mal auf 200 Dollar geschätzt. Erst später habe ich verstanden, dass es eigentlich der Zoll war und sie nach wertvollen Sachen gesucht hat. So richtige Uniformen hatten die aber auch nicht an, nur Warnwesten.
Im Taxi in CDMX habe ich meine ersten Brocken Spanisch losgelassen. Wobei ich sagen muss, dass 260 Tage Duolingo gar nicht so viel gebracht haben. Aber es ist besser als nichts. Ich glaube allerdings, ich kann noch nicht mal alle Zahlen bis zehn.
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Von Mexico City ging es weiter nach San José del Pacífico, einem kleinen Städtchen in den Nebelwäldern der Berge, die Oaxaca umgeben. Der Inhaber unseres Apartments, Omar, hat uns am Flughafen abgeholt und auf den drei Stunden Fahrt haben wir uns viel mit ihm unterhalten. Er hat uns unterwegs einen Spot zum Mittagessen gezeigt, an dem er selbst gerne isst und der zuletzt sogar vom Michelin erwähnt wurde. Also kein Stern, aber immerhin ein gutes Zeichen für eine solide regionale Küche.
Es zeigt sich wieder einmal: Ein Land entdecken geht nur über direkten Kontakt mit den Menschen.
Die Nebelwälder und die Aussicht auf die Berge waren für mich eines der Highlights der Reise. Schon sehr ergreifend. Und noch mal ein ganz anderer Aspekt als das, was man sich sonst so unter Mexiko vorstellt.
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Am ersten Abend hatten wir direkt eine Temazcal-Zeremonie, ein hiesiges Saunaritual. Omar hat uns dafür an seinen Nachbarn vermittelt. Wir bekamen das volle Ritual seiner Großeltern und Vorfahren: Nachdem man sich mit Copal-Rauch entgiften lässt, krabbelt man in eine Lehmhütte, in der glühende Steine in einer Kuhle im Boden liegen. Dann folgen vier Saunagänge à 20 Minuten, jeder mit einem anderen heißen Kräutersud und einer eigenen Bedeutung. Ihm war das total wichtig. Er hat uns sogar zwischendrin per Handyübersetzung erklärt, welches Element jetzt an der Reihe ist.
Ich bin ja wirklich ein intensiver Saunagänger, aber beim vierten Durchgang in Kombination mit der Höhe musste ich schon sehr tief atmen. Danach fühlt man sich wirklich sehr gereinigt. Und tatsächlich ein bisschen wie neugeboren.
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Einmal, abends, in den Bergen wollte ich dann noch ein romantisches Kaminfeuer anmachen. Na ja, fast. Jedenfalls war irgendwann das ganze Zimmer voller Rauch. Mein erster Gedanke war, dass der Kamin nicht offen ist. Aber das ist wohl nur in Europa so mit dem Kamin, ich hätte das Feuer einfach weiter hinten anmachen müssen. Bin ja kein professioneller Anfeurer (meine Frau ist ein Cheerleader). Wieder was gelernt. Und ich kann es vorwegnehmen: Wir sind nicht an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Am nächsten Abend hat es auf Anhieb geklappt.
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Der Abschied von San José del Pacífico fiel schwer. Wir wussten vorher nicht genau, was uns erwartet, aber wir wurden übertroffen (ist das nicht immer so?!). So viel Ruhe, so viele nette und hilfsbereite Menschen, denen ihre Kultur sehr am Herzen liegt, die sie aber trotzdem gerne mit uns Fremden teilen, ohne dass es sich wie ein Sellout anfühlt (für uns und für sie).
Obwohl wir hier keine großen Programmpunkte hatten, haben die Rituale und vor allem viel Zeit uns sehr viel gebracht. Allein die Vorstellung, dass man nachmittags mehrere Stunden Zeit hat, seine Gedanken zu sortieren.
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In Oaxaca City sind wir dann mitten in das größte Fest des Jahres hineingeraten: die Guelaguetza. Das erklärte im Nachhinein auch, warum die Zimmersuche so schwierig war. Delegationen aus allen Regionen des Bundesstaats reisen an, um lokale Tänze zu zeigen. Wir haben uns die Parade angeschaut, uns treiben lassen (Julia hat Mezcal probiert und natürlich gekauft) und abends die verschiedenen Arten von Mole ausprobiert.
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In Tulum haben wir uns die Tulum-Ruinen und Cobá angeschaut. Wir haben sehr viel über die Astronomie gelernt, die die Maya schon vor 5.000 Jahren hatten. Sie hatten Kalender und konnten sogar Sonnenfinsternisse vorhersagen, einfach nur, indem sie die Sterne beobachtet haben.
In Cobá konnten wir sogar auf die größte Pyramide hinauf. Mega steil und ein echt krasses Gefühl, wenn man da oben plötzlich über den Dschungel schaut. Man kann sich richtig vorstellen, was das für ein erhabenes Gefühl für die Priester und Herrscher der damaligen Zeit gewesen sein muss.
An so einem Tempel wurde 800 Jahre lang gebaut. Jeder hat ihn immer wieder noch größer gemacht. Allein das finde ich faszinierend: dass man über 800 Jahre ein Glaubens-, politisches und Herrschaftssystem aufrechterhalten kann, um so lange an einer Sache zu bauen. Was sich innerhalb von 800 Jahren in Europa einfach alles tut. Wie viele Reiche zusammenfallen und zerstört werden, bevor das nächste größere Reich wieder alles zerstört, bevor es selbst zerfällt.
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Tulum hat uns etwas rätselhaft zurückgelassen. Irgendwie ist es kein richtiger Touristen-Hub und irgendwie ist es auch nicht so niedlich wie Bali. Es ist auf jeden Fall nicht der Instagram-Spot, den wir erwartet hätten. Generell ist die Stadt ziemlich USA-lastig, sowohl vom Publikum her als auch davon, wie sie aufgebaut ist: große Tankstellen, große Supermärkte, sogar eine Walmart-Tochter.
Jedenfalls ist Tulum als Touristenspot auf dem Hypecycle schon wieder auf dem absteigenden Ast. Das ändert natürlich nichts daran, wie toll die Cenoten dort zum Tauchen sind. Aber irgendwie muss man dort auch nicht länger bleiben.
Der Besitzer des Tauchshops in Tulum wollte übrigens noch nicht mal Geld dafür haben, dass er Julias Backplate neu eingefädelt hat, obwohl wir darauf bestanden haben. (Wir haben ihm dann unser restliches Kleingeld für die Kaffeekasse dagelassen.)
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Den Abschluss bildete der Club Med in Cancún. Bei der Ankunft war ich erst mal überfordert, vor allem von der Hitze. 33 Grad sind einfach echt heiß. Und dann die Umstellung: All Inclusive! Man muss beim Essen nicht mehr umrechnen, wie teuer das jetzt alles ist. Hach, wie hatten wir das Club-Med-Gefühl vermisst!
Morgens konnte man den Bediensteten dabei zuschauen, wie sie alle Hände voll zu tun hatten, die Sargassum-Ernte einzufahren. Über Nacht wurde da echt viel Seetang angespült, leider genau am besten Badestrand.
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Die Heimreise begann mit einem kleinen Schock: Das angeforderte Taxi kam einfach nicht, und als das Ersatztaxi da war, hatte ein Laster wegen einer Baustelle die Straße komplett versperrt. Da bin ich erst mal ausgestiegen und habe kurz meine Wut rausgelassen. Die Bauarbeiter waren relativ unbeeindruckt und meinten irgendwas zwischen den Zeilen wie: Das ist halt so in Mexiko, mach mal nicht so einen Aufstand. Am Ende hat unser Taxifahrer mit einem ziemlich knappen Manöver doch noch einen Weg vorbei gefunden.
Beim Umstieg in Toronto waren wir wirklich schockiert, wie gut dort alles organisiert ist, vor allem im Vergleich zu Mexiko. Und mir war gar nicht klar, wie unglaublich freundlich die Kanadier sind. Ich glaube, hier möchte ich wirklich noch einmal herkommen!
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Was für ein wunderbares Land. Wir hatten unglaublich schöne Erlebnisse, eine perfekt geplante Route und genau die richtige Mischung aus Natur, Städten, Erholung und Abenteuer. Jeder einzelne Stopp war genau richtig lang.
Vor der Reise hatte ich ein bisschen Sorge, dass es so werden könnte wie damals in Japan, wo wir in sehr kurzer Zeit unglaublich viele Stopps hatten. Diesmal hat es sich komplett anders angefühlt. Vielleicht liegt das daran, dass ChatGPT einem mittlerweile unglaublich dabei hilft, sich in fremden Ländern zurechtzufinden. Vielleicht haben wir aber auch einfach dazugelernt und versuchen nicht mehr, möglichst viele Dinge in möglichst wenig Zeit hineinzupressen.
Beobachtungen ¶
- Grundsätzlich ist es hier viel, viel bunter als in Berlin. Die Häuser sind einfach wahnsinnig schön angemalt, überall hängen Girlanden, und die Alebrijes (geschnitzte und bemalte Holzfiguren) leuchten in so kräftigen Farben. Ich finde, uns fehlt Farbe in Deutschland.
- Wahnsinnig viele Polizisten, Soldaten und Nationalgardisten, die alle in offenen Pick-ups mit einer Bank hinten drauf transportiert werden. (Das Militär kontrolliert stark wegen des Drogentraffics Richtung USA.)
- Starke Geschwindigkeitshügel auf den Straßen, die hier Reductores genannt werden.
- Die Mototaxis in San José bestellt man über eine WhatsApp-Nummer, dann holen sie einen innerhalb von Minuten ab und fahren einen, wohin man möchte. Ich will mir nicht vorstellen, wie busy die WhatsApp-Zentrale ist. Die Fahrer sind alle relativ lustig und hören zum Teil laute Metal-Musik. Taugt mir.
- Alle sind super nett, alle super bemüht, den Tourismus anzukurbeln. Uns hat hier noch niemand abgezockt. (Außer der Tankwart, der hatte einmal die Uhr nicht zurückgestellt vom Roller vor mir.)
- Ich frage ChatGPT nur noch: “Was soll ich essen?” Dazu ein Bild der Karte. Julia gibt immer sehr komplizierten Kontext. Ich könnte genauso gut würfeln. Allerdings empfiehlt es mir einfach immer das für die Region Typische, was ich gut finde.
- Schon krass, wie sehr sich Reisen vom letzten auf dieses Jahr verändert hat dank ChatGPT. Vor einem Regal voller scharfer Soßen habe ich bestimmt 15 Minuten mit ChatGPT gestanden, um herauszufinden, welche ich kaufen soll.
- Grundsätzlich eine sehr angenehme Küche. Bisher noch nie Gurken gehabt (ich hasse Gurken). Und ich habe sogar Avocado lieben gelernt. Hier ist es schwer, drum herumzukommen, deshalb habe ich es gleich von Anfang an ausprobiert.
- Mülleimer fehlen überall, vermutlich weil die Leute sonst ihren privaten Hausmüll darin entsorgen würden.
- Die Stromzähler hängen außen am Haus. Superpraktisch. Hätte ich bei uns auch gerne.
- Die Spiegel hängen alle zu niedrig für mich, und im Taxi hänge ich auf der Rückbank mit dem Kopf im Dachhimmel.
- Jede Bad-Armatur ist gefühlt anders als die andere. Mal dreht man nach rechts, mal nach links. Mal ist links warm, mal rechts. Auf einer Toilette habe ich eine Reihe aus vier Waschbecken entdeckt, bei der jede einzelne Armatur ein anderer Typ war.
- Generell wird viel improvisiert. Die Radkappen von unserem Bus waren nur mit Kabelbindern befestigt. Ich mag das. Genau mein Style. (Oder vielleicht auch als zusätzlicher Diebstahlschutz. Man weiß es nicht.)
Wenn ihr noch etwas wissen möchtet, fragt mich gerne :) 🇲🇽
